Zgorzelec

Den Besuch in Zgorzelec sollte man am besten im ältesten, historischen Stadtteil, also in der reizvollen Neißevorstadt - Przedmieście Nyskie - beginnen, wo man viele interessante, mit der Geschichte der Stadt und deren berühmten Bürgern verbundene Orte findet. Dazu gehören u.a. Gebäude der Dreiradenmühle in der ulica Wrocławska. 1998 wurde an die Wände des benachbarten mächtigen Betonspeichers, der an einen Wehrturm etwas erinnert, ein farbiges Keramik-Flachrelief genannt WAZE (Künstlerisches Abbild des Vereinten Europas), von den Künstlern Vahan Bego aus Armenien und dem Polen Michał Bulak geschaffen, angebracht, das für das erneute Zusammenwachsen der nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Stadt steht. Gleich daneben erweckt ein weiteres Sinnbild der Stadt die Aufmerksamkeit – die Altstadtbrücke, die die beiden Ufer der Lausitzer Neiße verbindet und geradewegs in die Görlitzer Altstadt führt. Diese Brücke wurde 2003 - 2004 gebaut an der Stelle, wo die alte, 1945 von der deutschen Wehrmacht beim Rückzug gesprengte Brücke war. Auf polnischer Seite schlieβt sich die in den letzten Jahren rekonstruierte Bebauung des ehemaligen Postplatzes mit einer originalgetreuen Kopie der polnisch-sächsischen Postmeilensäule an die Brücke. Von hier aus sind es nur wenige Schritte zum nächsten Baudenkmal, dem Haus von Jakob Böhme (1575-1624), dem evangelischen Mystiker und Theosophen, der Schustermeister war und in diesem Haus an der Wende zum 17. Jahrhundert lebte. Seine Vision gab ihm den Anstoß für sein Werk über das sog. negative Prinzip Gottes, das aber erst von seinen Nachkommen gebührend gewürdigt wurde und ihm als Schöpfer des Mystizismus Ruhm und Anerkennung einbrachte. Nebenan lädt das Lausitzer Heimatmuseum mit einer Ausstellung über die Stadtgeschichte und die Kultur der Oberlausitz zur Besichtigung ein. Auf dem nahe gelegenem Rabenberg erinnert das sog. Rabenvorwerk (Kruczy Folwark), auch Scultetushof genannt, an den berühmten Görlitzer Kartografen, Astronomen und Mathematiker, Bartholomäus Scultetus, der dort am 14. Mai 1540 zur Welt gekommen ist. Ihm ist auch der Gedenkstein mit dem Datum 1540-1614 gewidmet, der sich unter dem Baum nahe dem Eingangstor befindet. Heute beherbergt das Haus ein Seniorenpflegeheim.

Beim Aufenthalt in Zgorzelec muss man unbedingt den repräsentativsten Bau der Stadt gesehen haben, nämlich die monumentale Oberlausitzer Gedenk- bzw. Ruhmeshalle (Vorkriegsname), in der heute das Städtische Kulturhaus untergebracht ist. Dieser Prachtbau, der an die Vereinigung Deutschlands und der Oberlausitz erinnern sollte, wurde 1898-1902 nach dem Entwurf des Architekten Prof. Hugo Behr errichtet. Seine Fassade schmücken Figurengruppen von Hugo Lederer, die den Krieg mit seinen Gräueln und den Segen des Friedens versinnbildlichen, sowie Friese von Reinhard Schnauder aus Dresden. An der Vorderfassade weist eine Gedenktafel darauf hin, dass hier am 6. Juli 1950 das Görlitzer Abkommen (auch als Görlitzer Grenzvertrag bekannt) unterzeichnet wurde. Das Gebäude wird von einer mächtigen Kuppel aus Glas und patiniertem Kupfer bekrönt, die hoch über Baumkronen ragt. Dieses Baudenkmal ist nicht nur ein bemerkenswertes Zeugnis der Stadtgeschichte, es gehört ebenfalls zu den interessantesten baukünstlerischen Denkmälern, die unsere binationale Europastadt Zgorzelec/Görlitz zu bieten hat – und das sind immerhin über 4000!

Beim Aufenthalt in Zgorzelec trifft man ebenfalls auf viele interessante Sakralbauwerke. Zu ihnen gehören die einschiffige Kirche St. Bonifatius mit einem Giebeldach aus den Jahren 1927-1929 sowie die Johannes der Taufer-Kirche mit einem Eckturm und Dachhelm im Stadtteil Ujazd (früher Moys). Nicht weit von hier, in der ulica Francuska, gebührt einem rechteckigen, zweigeschossigen Barockschlösschen von etwa 1730 Augenmerk. Auf seinem Dach ragt ein hölzerner Dachreiter mit Spitzhelm in die Höhe, und an einer der Gebäudeecken misst eine Sonnenuhr die Stunden. Eine weitere Sehenswürdigkeit hier ist der Eisenbahnviadukt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der das polnische und deutsche Ufer der Lausitzer Neiße an einer reizvollen Stelle des Flusstals verbindet. Beim Bau der 475 m langen und 35 m hohen Brücke haben römische Aquädukte Modell gestanden.

Ein weiteres, den Besuchern zu empfehlendes Besichtigungsobjekt ist der Soldatenfriedhof der 2. Polnischen Armee (landesweit größter Soldatenfriedhof). Seine 3430 einheitlich gestalteten Gräber bergen die Gebeine der Soldaten, die in der Lausitz im April und Mai 1945 gefallen sind. Über dem Friedhof ragt das Piastenadler-Denkmal in den Himmel, der symbolhaft in Richtung Neiße-Grenze blickt. Eine weitere geschichtsträchtige Gedenkstätte ist das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers für Soldaten und Unteroffiziere, StaLag VIII A, das im Herbst 1939 errichtet wurde. Im Lager befanden sich während des ganzen Krieges nahezu 120 000 Häftlinge. Die Zahl der Todesopfer betrug über 10 000. Die ersten Insassen waren polnische Soldaten des Verteidigungskrieges vom September 1939, und als letzte wurden dort Teilnehmer des Warschauer Aufstandes von 1944 gefangen gehalten. Zu den bekanntesten Häftlingen gehörten der polnische Rundfunkregisseur Zdzisław Nardelli sowie der französische Komponist Olivier Messiaen, der im Lager sein Quartett für das Ende der Zeit, eins der berühmtesten Musikwerke des 20. Jahrhunderts, vollendet hat. Die Quartett-Uraufführung fand am 15. Januar 1941 im Lager statt.

Wissen Sie, dass…

Jakob Böhme und sein Schaffen der Grund waren, warum Zgorzelec eine Station auf einer ungewöhnlichen Reise des polnischen Gnostikers, Anthroposophen und Schriftstellers Jerzy Prokopiuk war. „Auf den Spuren des Graal“ ist eine filmische Beschreibung der Wanderung zu Ursprungsorten der europäischen Geistigkeit vom polnischen Filmdokumentalisten Irek Dobrowolski, die ihre Premiere im Jahre 2013 hatte. Einer der Teile dieser Filmreise wurde in Zgorzelec gedreht und einer der Gäste, die in den letzten Jahren das Jakob-Böhme-Haus, ein unauffälliges kleines Haus in der Neiβevorstadt - besuchten, war Nicolas Cage.

Der unwiderstehliche Reiz und der architektonische Reichtum des benachbarten Görlitz werden seit Jahren von Filmemachern aus Europa und Hollywood hochgeschätzt. „Inglourious Bastards“ von Quentin Tarantino, „Der Vorleser“ von Stephen Daldry, „Bücherdiebin“ von Brian Percival oder der mit vier Oscars ausgezeichnete „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson wurden hier in der Neiβestadt gedreht.

Kleinere Filmepisoden hat auch die Stadt Zgorzelec zu verzeichnen. Die Neiβevorstadt spielte 2014 die Kulisse von Krakau zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in der deutsch-polnischen Dokumentarfilmproduktion des ZDF-Fernsehen und des polnischen TVP-Fernsehen über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Das monumentale Gebäude des Kulturhauses wurde zum Drehort im biographischen Film über Käthe Kruse, die Puppenfabrikantin aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Filmleute und Schauspieler schätzten sehr das Ambiente und die Gastlichkeit des deutschen Görlitz und des polnischen Zgorzelec, und bei ihren Besuchen in beiden Städten kosteten sie gern die Spezialitäten in Restaurants sowie verbrachten ihre Freizeit auf beiden Seiten der Neiβe.

Dazu möchten die beiden Städte alle Touristen herzlich einladen!


Zwei Länder ,Zwei Städte, Zwei Veranstaltungen, Ein Termin, Ein Ort

Europastadt Zgorzelec/Görlitz

Immer am letzten Augustwochenende, immer mit einem reichhaltigen künstlerischen Programm und immer mit der Anknüpfung an die Stadtgeschichte. Das kennzeichnet das Zgorzelecer Jakuby-Fest, das eine Zwillingsveranstaltung des in derselben Zeit stattfindenden Görlitzer Altstadtfestes ist. Die beiden Veranstaltungen ergänzen sich wie zwei Apfelhälften. Es freut uns auβergewöhnlich, dass Bürger unserer beiden Städte dank dieser Feste gemeinsam feiern, erleben und sich näherkommen können.

Am kulturellen und kulinarischen Angebot des Jakuby-Festes nehmen alljährlich mehrere Tausende Gäste aus Deutschland teil und ebenso viele polnische Touristen besuchen dabei Görlitz. Wir hoffen darauf, dass es auch in diesem Jahr so ist.

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